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Mit dem Burkini im Schwimmbad

Alltagsrassismus in öffentlichen Schwimmbädern: Formen und organisationale Bearbeitungspraktiken

Das Projekt möchte untersuchen, wie eine stark von der Zusammensetzung und den Einstellungen ihrer Nutzer*innen abhängige Organisation auf einen überdurchschnittlich hohen Anstieg von AfD-Wähler*innen reagiert. Die Studie zeigt, wie und warum manche Bäder diesem Druck nachgeben, während andere ihm widerstehen und Anpassungen anbieten, die es muslimischen Badegästen erlauben, das Schwimmbad zu besuchen. Die Studie fragt: 1) welche Formen Rassismus und Islamophobie in öffentlichen Schwimmbädern annehmen, 2) inwiefern die Organisationskulturen zur Herausbildung oder Vermeidung alltagsrassistischer Praktiken führen und 3) ob und wie die Organisationen rassistische Praktiken zwischen Nutzer*innen bearbeiten.

Schlagworte

Burkini
Schwimmbäder
Diskriminierung

Mitarbeitende

Ines Michalowski
Max Oliver Schmidt

Kooperierende

Erste Ergebnisse

In den Bädern kommt es zu verbalen Attacken, rassistischen Zuschreibungen und unbegründeten Beschwerden gegen muslimische Frauen, Geflüchtete sowie Black and People of Color. Vier Strategien zur Bearbeitung wurden identifiziert: "Rejection" – das Personal weist diskriminierende Praktiken zurück und sanktioniert sie. "Appeasement" – das Personal berücksichtigt diskriminierenden Druck und versucht, diesen durch ein Entgegenkommen (Überwachung bestimmter Nutzer*innen) zu minimieren. "Reinforcement" – das Personal stimmt mit dem diskriminierenden Druck überein und übersetzt diesen in Organisationspraktiken/-strukturen (zum Beispiel Exklusion aus Schwimmbereich wegen Burkini). "Selbstorganisation" – das Personal überlässt die Regulierung hauptsächlich den Nutzer*innen und greift kaum ein.

Überraschende Einsichten

Diskriminierender Druck wird in Interaktionen zwischen Bademeister*innen und Nutzer*innen sowie durch die Veränderung von formalen Regeln bearbeitet. In einigen Bädern konnten keine strukturellen Diskriminierungen erkannt werden. Im Fall von "Reinforcement" haben wir ein "discriminatory equilibrium" (Adida et al.), im Fall von "Appeasement" Formen von "statistical discrimination" identifiziert. In einigen Fällen gibt es Bademeister*innen, die den Burkini ablehnen, allerdings erzeugt die Organisation einen Konformitätsdruck und die Bademeister*innen rationalisieren den Burkini als Schwimmkleidung. Letztlich bedingen Entscheidungsprämissen (Hierarchien, Personal, Entscheidungsprogramme) die (Nicht-)Verbreitung von diskriminierenden Praktiken.

Weitere Fragen?

Für weitere Informationen zu dem Projekt können Sie uns per E-Mail kontaktieren: info(at)rassismusmonitor.de