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Mit dem Burkini im Schwimmbad

Alltagsrassismus in öffentlichen Schwimmbädern – Formen und organisationale Bearbeitungspraktiken

Manche öffentlichen Schwimmbäder verbieten Burkinis und bestätigen damit diskriminierende Haltungen einiger Nutzer*innen. Hingegen lassen sich andere Bäder nicht unter Druck setzen und ermöglichen muslimischen Gästen einen Bad-Besuch. Um diese Unterschiede zu erklären, untersuchten wir, welche Formen von Rassismus und Islamophobie es in öffentlichen Schwimmbädern gibt, welche Organisationskulturen zu alltagsrassistischen Praktiken führen und wie die Bäder mit Rassismus zwischen Nutzer*innen umgehen.

Schlagworte

Burkini
Schwimmbäder
Diskriminierung

Autor*innen

Ines Michalowski
Max Oliver Schmidt
Serkan Ünsal

Kooperierende

 

 

Ergebnisse

In öffentlichen Schwimmbädern ist vor allem der Burkini ein häufiges Streitobjekt. Frauen, die dieses Kleidungsstück tragen, werden damit konfrontiert, dass dies keine „korrekte“ Badebekleidung sei. In den untersuchten Schwimmbädern beschwerten sich Nutzer*innen teilweise erst ab Erlaubnis des Burkinis über muslimische Frauen. Das deutet darauf hin, dass diese durch das neue Kleidungsstück als Gruppe übermäßig sichtbar wurden.

Der Umgang mit Alltagsrassismus und Diskriminierung in Schwimmbädern ist unterschiedlich. Grundlegend unterscheiden sich die Schwimmbäder dahingehend, ob sie Diskriminierung überhaupt als Problem wahrnehmen. Wir konnten vier Bearbeitungsstrategien identifizieren:

  1. Abweisung: Das Schwimmbad weist die Diskriminierung zurück. Auf Beschwerden und falsche Anschuldigungen reagiert das Bad, indem es versucht, Wissen über den Burkini zu vermitteln oder diskriminierende Nutzer*innen auffordert, das Bad zu verlassen.
  2. Appeasement: Das Schwimmbad versucht, den organisationalen Mikrokosmos zu befrieden, indem es auf Beschwerden eingeht. Die diskriminierte Gruppe wird stärker kontrolliert, um der diskriminierenden Gruppe Beschwerdemöglichkeiten zu nehmen.
  3. Laisser-Faire: Das Schwimmbad mischt sich nicht in Konflikte ein. So setzen sich diskriminierende Mehrheiten durch. Das Schwimmbad wird nicht mehr von der diskriminierten Gruppe genutzt.
  4. Institutionalisierung: Das Schwimmbad und sein Personal stimmen den diskriminierenden Nutzer*innen zu. Diskriminierende Praktiken werden in Organisationsstrukturen übersetzt, etwa mit einem Burkini-Verbot.

Überraschende Einsichten

Soweit unsere qualitative Studie es überhaupt zeigen kann, richtet sich Diskriminierung in Schwimmbädern vor allem gegen muslimische Frauen im Burkini. Dabei ist es oft auch fehlendes Wissen über den Burkini, das zu Anfeindungen führt.

Schwimmbäder können Diskriminierungen auch dann überwinden, wenn das eigene Personal gegenüber dem Burkini oder anderen Körperpraktiken zunächst gleichgültig oder sogar ablehnend eingestellt ist. Das Schwimmbad als Treffraum kann Konflikte hervorrufen, aber auch die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Gruppen befördern und unterschiedliche Lebenswelten sichtbar machen.

Bedeutung für die Praxis

Unsere Ergebnisse können helfen, sicherzustellen, dass vulnerable Gruppen und religiöse Minderheiten in öffentlichen Einrichtungen vor Angriffen geschützt werden. Schwimmbadleitungen, verantwortliche Stadtverwaltungen und Bademeister*innen sollten Diskriminierung in ihren Einrichtungen begegnen. In einem diskriminierungssensiblen Schwimmbad werden dann auch diverse Körperpraktiken sichtbar. Die Teilhabe unterschiedlicher Gruppen kann zu neuen, diversen und pluralen Normen und Körpervorstellungen im öffentlichen Raum führen.