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Privatschulen und Rassismus

Getting Respect in Germany: Wie aus der Türkei immigrierte Eltern auf Rassismus an Berliner Schulen reagieren

Das Projekt beschäftigte sich mit den Erfahrungen türkeistämmiger Eltern, deren Kinder in Privatschulen unterrichtet werden. Wir haben untersucht, wie türkische Migrant*innen Diskriminierung und Stigmatisierung an öffentlichen Schulen erleben und was Privatschulen für manche von ihnen attraktiv macht. Dazu haben wir auch gefragt, wie Eltern ihre eigene Position gegenüber dem deutschen Bildungssystem sowie in Abgrenzung zu anderen Migrant*innen, der deutschen Mittelschicht und ihren Eltern erleben.

Schlagworte

Schulsystem
Diskriminierung
Berlin

Autor*innen

Gökce Yurdakul
Tunay Altay
Stefania Vittori
Simon Werner

 

Kooperierende

 

 

Ergebnisse

Die Studie legt nahe, dass einige zugewanderte Eltern ihre Kinder vor allem deshalb auf eine Privatschule schicken, weil sie ihren Kindern das bestmögliche Lernumfeld bieten und sie vor Diskriminierung schützen wollen. Viele Eltern investieren in teure Privatschulen, weil sie den Problemen entgehen wollen, die sie an staatlichen Schulen wahrnehmen.

So schildern viele Eltern, dass sie selbst oder ihre Kinder an staatlichen Schulen diskriminiert und nicht ausreichend gefördert wurden. Einige Eltern berichten, dass sie nach der Grundschule nur eine Real- oder Hauptschulempfehlung erhalten haben, obwohl sie so gute Noten hatten, dass sie auch das Gymnasium hätten besuchen können. Auch negative Erfahrungen von anderen Eltern aus ihrer Community beeinflussen ihre Einschätzung.

Im Ergebnis trauen viele Eltern dem deutschen Staat nicht zu, die Situation an den staatlichen Schulen zu verbessern. Stattdessen betonen sie, dass sie sich durch harte Arbeit und sozialen Aufstieg Respekt und Anerkennung verdienen können – und damit auch der Diskriminierung und Ausgrenzung etwas entgegensetzen, die sie erleben.

Überraschende Einsichten

Viele der türkeistämmigen Eltern, mit denen wir für unsere Studie gesprochen haben, hoben die Werte hervor, auf die sich Privatschulen berufen: Multikulturalismus, internationale Menschenrechte, Vielfalt und Inklusion. Viele Eltern teilten nicht nur diese Werte, sondern sahen sich auch selbst als Teil einer internationalen, kosmopolitischen Community in Deutschland – auf Grund ihrer internationalen Lebens- und Berufserfahrung, Sprachkenntnisse und Staatsangehörigkeit. Privatschulen sind für viele Eltern mit eigener Migrationserfahrung deshalb so interessant, weil sie sich Werten wie Vielfalt und Inklusion verschreiben und international ausgerichtet sind.

Bedeutung für die Praxis

Unsere Forschungsergebnisse geben Hinweise, wie das Lernumfeld an staatlichen Schulen und das deutsche Schulsystem insgesamt verbessert werden können. Die Eltern wiesen mehrheitlich darauf hin, dass mehr Schulpersonal erforderlich ist, um auf alle Schüler*innen eingehen zu können. Zudem können verpflichtende Weiterbildungen zu Themen wie Migration, Vielfalt und Antidiskriminierung für Lehrer*innen und Schulpersonal dazu beitragen, ein zeitgemäßes und kulturell vielfältiges Lernumfeld zu schaffen. Eltern schätzen an Privatschulen eine inklusive Lernkultur sowie Diversität bei Lehrer*innen und im Schulpersonal, in Elternbeiräten und Lehrmaterialien. Staatliche Schulen könnten stark davon profitieren, sich ebenfalls in diese Richtung zu entwickeln.