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Solidarität in der Pandemie

Solidarität mit allen? Intergruppen-Hilfeverhalten in Zeiten von Corona

Dieses Projekt untersucht, ob in Krisenzeiten wie der Corona-Pandemie allen Mitgliedern der Gesellschaft dasselbe Maß an Solidarität entgegengebracht wird. Dafür geht es folgenden Fragen nach: Erhalten marginalisierte Gruppen in Krisenzeiten genauso viel Hilfe aus der Nachbarschaft oder Zivilgesellschaft wie Angehörige der Mehrheitsgesellschaft? Wirkt sich das suggerierte Ansteckungsrisiko auf das Hilfeverhalten aus und wenn ja, wie? Lassen sich im Rahmen der Corona-Krise, die besonders antiasiatische rassistische Narrative hervorgebracht hat, auch entsprechende neue ethnische Hierarchien im Hilfeverhalten beobachten? Welche Rolle spielt Ingroup-Favoritism bei der angebotenen Hilfe?

Schlagworte

Solidarität
Corona
Rassismus

Mitarbeitende

Ruta Yemane
Jonas Rees
Ralf Wölfer
Susanne Veit
Hannah Arnu
Lara Aithal

Kooperierende

Erste Ergebnisse

Im Rahmen eines bundesweiten Feldexperiments wurden verschiedene Varianten von fiktiven Hilfegesuchen in elf deutschen Großstädten verteilt, um gruppenspezifisches Hilfeverhalten gegenüber deutsch, türkisch und chinesisch gelesenen Namen zu untersuchen. Die Auswertung zeigt, dass die Testperson mit deutschem Namen die meisten Hilfsangebote erhielt (Angelika Schneider, n = 298). Die zweitmeisten Rückmeldungen bekam die chinesische Testperson (Xiu Ying, n = 244), am wenigsten erhielt die türkische Testperson (Ayse Yilmaz, n = 227). Mehr als 500 Menschen haben an der Nachbefragung teilgenommen, zu der alle Personen, die sich auf das Hilfegesuch gemeldet hatten, im Zuge einer Aufklärungsbenachrichtigung eingeladen worden sind.

Überraschende Einsichten

Im Rahmen des Feldexperiments ist ein hohes Maß an prosozialem Verhalten festzustellen: Mehr als jedes dritte Hilfegesuch wurde beantwortet. Allerdings zeigten sich deutliche Nachteile für ethnische Minderheiten: Frauen mit deutsch klingendem Namen erhielten signifikant mehr Hilfsangebote als Frauen mit einem türkisch oder chinesisch klingendem Namen. Insgesamt haben deutlich mehr Frauen (71 %) Hilfe angeboten als Männer. In der Nachbefragung wurde deutlich, dass sich die Helfer*innen durch hohe Empathiewerte auszeichnen.

Weitere Fragen?

Für weitere Informationen zu dem Projekt können Sie uns per E-Mail kontaktieren: info(at)rassismusmonitor.de