Diskurse & Medien
Medien nehmen gesellschaftliche Konflikte auf und thematisieren sie öffentlich. Gleichzeitig (re-) produzieren sie Rassismen. Beides gilt sowohl für Tageszeitungen als auch für soziale Netzwerke. Im Rahmen des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors (NaDiRa) untersuchen wir empirisch, wie sich die Medienberichterstattung über Rassismus wandelt und welche Rolle Rassismus in (sozialen) Medien spielt.
Leitende Forschungsfragen
- Wie sichtbar ist das Thema Rassismus in den Medien und wie verändert es sich im Laufe der Zeit?
- Wie und von wem wird Rassismus in den Medien thematisiert?
- Wie sehen rassistische Inhalte in sozialen Netzwerken aus und welche Reichweite haben sie?
- Wie beeinflussen algorithmische Empfehlungslogiken Online-Rassismus und Radikalisierungsdynamiken?
Die NaDiRa-Medienanalysen liefern empirische Evidenzen zu Kontinuitäten und Wandel von Rassismus in den Medien. Dabei setzen wir zwei verschiedene Schwerpunkte:
Wir analysieren Debatten über Rassismus. Bei Debatten zu Racial Profiling oder über die Black Lives Matter-Proteste ist Rassismus der Gegenstand des Diskurses. Für unsere Analysen arbeiten wir heraus, wie führende redaktionelle Medien in Deutschland über Rassismus berichten und welche Veränderungen es dabei im Laufe der Zeit gab. Unsere Ergebnisse geben Hinweise darauf, welchen Stellenwert das Thema Rassismus in der öffentlichen Debatte hat und inwiefern Rassismus als gesellschaftliches Problem anerkannt wird. Beispiele für diese Forschung sind die Projekte „Selektive Resonanz? Die Thematisierung rassistischer Gewalt in Mediendebatten und Protesthandeln“ sowie „Kontinuitäten und Wandel im Diskurs über Rassismus”.
Wir analysieren rassistische Debatten. Immer wieder werden Menschen aus rassifizierten Gruppen in medialen Debatten herabgesetzt und/oder es wird zu Verachtung, Diskriminierung, Hass oder Gewalt gegen sie angestiftet. Solche Diskursdynamiken können insbesondere in digitalen Öffentlichkeiten zur Normalisierung und weiteren Radikalisierung extremistischer Positionen beitragen. Beispiele dafür sind die medialen Debatten über die vermeintliche Intelligenz von Angehörigen rassifizierter Gruppen in den Fällen Thilo Sarrazin oder Debatten rundum vermeintliche Clanstrukturen und darauf abzielende staatliche Gegenmaßnahmen. Rassismus in den Medien untersuchte etwa das Projekt „Onlinerassismus als Interaktionscatcher“.
Soziale Medien haben mediale Debatten über Rassismus und Diskriminierung grundlegend verändert. Sie sind zugleich Räume digitaler Hasskommunikation und gelebter Solidarität. Um ihr demokratisches Potenzial zu entfalten und ihre negativen Effekte zu begrenzen, bedarf es einer differenzierten Analyse der Diskurse in traditionellen wie digitalen Öffentlichkeiten.
Ausgewählte Literatur
- Hotait, Nader; El Sayed, Fatima (2025): Beyond the hijab: Performing religious identity on TikTok. Social Compass 72 (2), 204-220. DOI: 10.1177/00377686251340897.
- Handlungsmöglichkeiten bei rassistischer Diskriminierung. Exploring the Role of TikTok for Intersectionality Marginalized Groups
- El Sayed, Fatima; Hotait, Nader (2024): Exploring the Role of TikTok for Intersectionality Marginalized Groups: The Case of Muslim Female Content Creators in Germany. Frontiers in Political Science 6. DOI: 10.3389/fpos.2024.1496833.
- Hotait, Nader; Ali, Rami (2024): Exploring (Anti-)Radicalism on TikTok: German Islamic Content Creators between Advocacy and Activism. Religions 15 (10), 1172. DOI: 10.3390/rel15101172.
- Kultur, Migration und Theologie: Akteurstypen, Netzwerke und Diskurse des antimuslimischen Rassismus auf TikTok
- Bostancı, Seyran; El-Sayed, Fatima; Hotait, Nader; Özvatan, Özgür (2024): Kultur, Migration und Theologie: Akteurstypen, Netzwerke und Diskurse des antimuslimischen Rassismus auf TikTok. In: CLAIM – Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit in Kooperation mit ZEOK e. V. im Rahmen des Kompetenznetzwerks Islam- und Muslimfeindlichkeit (Hg.): Zivilgesellschaftliches Lagebild antimuslimischer Rassismus: Antimuslimische Vorfälle in Deutschland 2023. Berlin, Leipzig: CLAIM – Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit, 64-71.
- Tim Henrichsen, Florian Gilberg, Andreas Blätte, Moritz Sommer, Elias Steinhilper und Sabrina Zajak: Die Politisierung von Rassismus in Deutschland. Eine quantitative Inhaltsanalyse der Süddeutschen Zeitung und Frankfurter Allgemeinen Zeitung zwischen 2000 und 2020. DeZIM Working Papers.