Schwerpunkt Bildung

Der Nationale Diskriminierungs- und Rassismusmonitor setzt 2028 und 2029 den Schwerpunkt auf Bildung und erhebt Daten in diesem Lebensbereich. Der Bericht mit den Daten, Auswertungen und Analysen erscheint Ende 2029.
Qualitative Teilprojekte in dem Schwerpunktbereich laufen bereits, oder sind bereits abgeschlossen. 

Bildungsungleichheiten gehören seit vielen Jahren zu den zentralen Themen der Bildungsforschung. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass das Bildungssystem in Deutschland soziale Ungleichheiten weiterhin reproduziert. Trotz intensiver Forschung ist die Rolle von Rassismus und rassistischer Diskriminierung in Bildungseinrichtungen – von der Kita über die Schule bis zur Erwachsenenbildung – nach wie vor ein unzureichend erforschtes Feld. Die Auswirkungen von Rassismus auf Bildungserfolg und Bildungsverläufe werden in der quantitativen Bildungsforschung bislang nur begrenzt berücksichtigt, obwohl qualitative Studien institutionellen Rassismus in Bildungseinrichtungen vielfach belegen. Gleichzeitig fehlen Erkenntnisse darüber, wie Betroffene Rassismus in Bildungseinrichtungen erleben, welche Hürden einer rassismuskritischen Transformation entgegenstehen und wie Bildungsungleichheiten in öffentlichen Debatten erklärt werden. Genau hier setzt der NaDiRa an: Er untersucht Rassismus in unterschiedlichen Bildungsbereichen und nimmt dabei individuelle Erfahrungen, institutionelle Strukturen sowie öffentliche Debatten über Bildungsungleichheiten in den Blick. 

Leitende Forschungsfragen

  • Welche Rolle spielen Rassismus und rassistische Diskriminierung bei der Entstehung und Reproduktion von Bildungsungleichheiten? 
  • Wie wirken institutionelle Strukturen und pädagogische Praktiken auf die Bildungsbiografien rassistisch markierter Menschen? 
  • Welche Erfahrungen machen Kinder und Jugendliche mit Rassismus in Bildungseinrichtungen und wie gehen sie damit um? 
  • Welche Hürden bestehen bei der Umsetzung antirassistischer Maßnahmen und der rassismuskritischen Veränderung von Bildungseinrichtungen? 
  • Wie werden Bildungsungleichheiten in öffentlichen und medialen Debatten erklärt und welche Rolle wird Rassismus dabei zugeschrieben? 

Forschungsperspektive

Der Rassismusmonitor untersucht Rassismus und Bildungsungleichheiten aus unterschiedlichen methodischen und inhaltlichen Perspektiven. Im Mittelpunkt stehen frühkindliche Bildung, Schule und Erwachsenenbildung sowie die Frage, wie institutionelle Strukturen, pädagogische Praktiken und gesellschaftliche Machtverhältnisse Bildungswege beeinflussen. 

Mit quantitativen Daten untersuchen wir, welche Rolle rassistische Diskriminierung im Bildungsverlauf spielt und wie sie sich auf Bildungsbiografien und Teilhabechancen auswirkt. Zugleich gehen wir der Frage nach, weshalb quantitative und qualitative Studien teilweise zu unterschiedlichen Einschätzungen der Ursachen von Bildungsungleichheiten gelangen und wie Rassismus in quantitativen Untersuchungen angemessener erfasst werden kann. 

Qualitative Studien untersuchen die Erfahrungen rassistisch markierter Menschen und die institutionellen Bedingungen in verschiedenen Bildungsbereichen. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Zusammenwirken von Rassismus und Adultismus in der frühkindlichen Bildung. Dabei wird untersucht, wie generationale Machtverhältnisse und rassistische Zuschreibungen den Alltag von Kindern und ihre Teilhabemöglichkeiten prägen. 

Ein weiterer Fokus liegt auf schulischen Bildungseinrichtungen. Untersucht wird, welche Blockaden der Umsetzung antirassistischer Maßnahmen entgegenstehen und weshalb bestehende Programme und Strategien häufig nur begrenzt zu institutionellen Veränderungen führen. Dabei werden sowohl die Perspektiven von Schüler*innen als auch die Strukturen und Handlungsmöglichkeiten der Einrichtungen berücksichtigt. 

Auch die Erwachsenenbildung wird in den Blick genommen. Hier untersuchen wir, welche strukturellen und rassistischen Hürden zugewanderte Menschen und ihre Nachkommen beim Zugang zu beruflicher Weiterbildung erfahren und welche Folgen dies für ihre beruflichen Perspektiven und ihre Teilhabe am Arbeitsmarkt hat. 

Ergänzend analysiert der NaDiRa öffentliche und mediale Debatten über Bildungsungleichheiten. Im Rahmen des Medien- und Diskursmonitorings untersuchen wir, welche Ursachen für ungleiche Bildungschancen benannt werden, ob institutioneller Rassismus als Erklärungsfaktor berücksichtigt wird und inwiefern rassistisches Wissen in der Berichterstattung reproduziert wird. 

Die Erkenntnisse aus den verschiedenen Forschungszugängen werden zusammengeführt, um Rassismus im Bildungssystem umfassender sichtbar zu machen. Auf dieser Grundlage sollen Ansatzpunkte und Handlungsempfehlungen für eine rassismuskritische Veränderung von Bildungseinrichtungen entwickelt werden. 

Ansprechperson(en)

Dr. Anna Aleksandra Wojciechowicz

Dr. Anna Aleksandra Wojciechowicz

Wissenschaftliche Mitarbeiterin Nationaler Diskriminierungs- und Rassismusmonitor (NaDiRa)
Dr. Zerrin Salikutluk

Dr. Zerrin Salikutluk

Leitung des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors (NaDiRa)