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Erwerbsarbeit, Gender und Rassismus

Geschlechtsspezifischer Rassismus am deutschen Arbeitsmarkt – eine qualitative Pilotstudie zu den Auswirkungen auf die Erwerbsteilhabe geflüchteter Musliminnen und Women of Color

Das Forschungsprojekt beleuchtet, welche Erfahrungen mit geschlechtsspezifischem Rassismus geflüchtete muslimische und Schwarze Frauen am deutschen Arbeitsmarkt machen. Darüber hinaus interessierte uns, inwieweit Arbeitsmarkt- und Asylpolitik dazu beitragen, dass von Rassismus betroffene Frauen ein- bzw. ausgeschlossen werden.

Schlagworte

Geflüchtete
Gender
Arbeitsmarkt
Rassismus

Autor*innen

Katrin Menke
Cora Wernerus

 

 

Ergebnisse

Geflüchtete Frauen, die Arbeitsvermittlungs-Angebote in Anspruch nehmen, treffen auf verschiedene lokale Akteure, etwa die öffentliche Arbeitsmarktverwaltung, Träger von Arbeitsmarktmaßnahmen und Ausländerbehörden. Diese Akteure adressieren sie sexistisch-rassifizierend. Die Frauen werden als unselbstständige Abhängige im Kontext normativer Familienverhältnisse konstruiert. Muslim*innen begegnen darüber hinaus religiöse Kulturalisierungen, die sich insbesondere am Kopftuch festmachen. Im Ergebnis werden geflüchtete Musliminnen und Women of Color entweder in die Privatsphäre gedrängt oder für weiblich abgewertete, prekäre Erwerbsarbeit aktiviert. Sanktionierungsmechanismen, ein Instrument des aktivierenden Sozialstaates, spielen dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Rassismus erscheint in der Arbeitsmarktvermittlung nicht als individuelles Fehlverhalten, sondern als strukturell angelegte behördliche Praxis.

Überraschende Einsichten

In der deutschsprachigen Rassismusforschung fehlt bislang eine explizite und systematische Genderperspektive. Eine solche Perspektive ist aber notwendig, um Rassismus spezifisch und kontextabhängig erforschen und angemessen erfassen zu können.

Darüber hinaus zeigte sich, dass nicht nur der Arbeitsmarkt, sondern auch (sozial-)staatliche Behörden und die Zivilgesellschaft rassistische Ungleichheiten hervorbringen. Diese Einsicht ist in der Sozialpolitik-Forschung, die den Sozialstaat primär als Ausgleich für wettbewerb- oder arbeitsmarktbedingte soziale Ungleichheiten betrachtet, bislang kaum verbreitet.

Bedeutung für die Praxis

Aus empirisch fundiertem Wissen darüber, wie sich Rassismus auf die Arbeitsmarktteilhabe von Schwarzen Frauen und Frauen of Color auswirkt, lassen sich Handlungsempfehlungen für die Arbeitsverwaltung ableiten und umsetzen. Darüber hinaus können politische Akteure und Entscheidungsträger*innen in Ministerien, Parlamenten und Parteien dafür sensibilisiert werden, dass Ein- und Ausschlüsse von Menschen am Arbeitsmarkt mit geschlechtsspezifisch-rassistischem Handeln in der Arbeitsverwaltung zusammenhängen. Schließlich können zivilgesellschaftliche Verbände und Migrant*innenselbstorganisationen unsere Forschungsergebnisse nutzen.