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Rassismus in der Corona-Krise

Rassistische Einstellungen in Zeiten der Krise

Die öffentliche Debatte um die Notwendigkeit der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus ist unter anderem durch die Sorge geprägt, dass Krankenhäuser überlastet werden und womöglich nicht allen Patient*innen geholfen werden kann. Vor diesem Hintergrund sieht sich unsere Gesellschaft mit der ethischen Frage konfrontiert, ob das Leben des einen Menschen wertvoller ist als das eines anderen. Bisher wissen wir jedoch sehr wenig, wie die Bevölkerung darüber denkt. Dieses Projekt ist daher von folgenden zwei Forschungsfragen geleitet: 1) Zum einen untersucht es, nach welchen Prinzipien Menschen in Deutschland Corona-Patient*innen auswählen würden, sollten die Beatmungsgeräte auf den Intensivstationen knapp werden. 2) Zum anderen stellt es die Frage, ob die Wahrscheinlichkeit für Menschen mit Migrationshintergrund höher ist, aufgrund der wirtschaftlichen Krise im Zuge der COVID-19-Pandemie ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Um diesen Fragen nachzugehen, wurde zwischen April 2020 und März 2021 eine repräsentative Wellenbefragung hinsichtlich Alter, Geschlecht und Bildung mit rund 19.000 Personen in Deutschland durchgeführt.

Schlagworte

Rassismus
Corona
Gruppendenken

 

Mitarbeitende

Ruud Koopmans
Marc Helbling
Max Schaub
Daniel Auer
Tamara Bogatzki
Jana Glaese
Eylem Kanol
Ines Michalowski
Julia Stier
u.a.

Kooperierende

Erste Ergebnisse

zur Teilfrage 1: Es zeigt sich, dass die Überlebenschancen von Patient*innen die größte Rolle spielen. Dies unterstreicht die breite Unterstützung des Prinzips, das bereits von vielen Ärztevereinigungen und Ethikkommissionen vertreten wird. Es zeigt sich auch, dass Migrant*innen deutlich seltener ausgewählt werden. Ebenfalls stark diskriminiert werden Personen ohne Kinder sowie Menschen mit Vorstrafen. zur Teilfrage 2: Personen mit Migrationshintergrund haben verglichen mit Nicht-Migrant*innen, die denselben Beruf im selben Sektor ausüben, im Durchschnitt eine 50 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Dieser Effekt von Diskriminierung steigt auf 300 Prozent in jenen Sektoren an, die am schwersten von den ökonomischen Folgen der Pandemie betroffen sind.

Überraschende Einsichten

zur Teilfrage 1: Es hat sich gezeigt, dass die Präferenzen über den gesamten Untersuchungszeitraum zwischen dem Beginn der Pandemie und dem Beginn der dritten Welle Ende März 2021 stabil geblieben sind. Sie wurden daher nicht von den Corona-Fallzahlen und der Diskussion einer möglichen Triage beeinflusst. zur Teilfrage 2: Migrant*innen sind weniger häufig in Kurzarbeit. Dies legt den Schluss nahe, dass Kurzarbeit und Entlassungen Behelfsmaßnahmen sind, welche von Arbeitgeber*innen ungleich auf Migrant*innen und Nicht-Migrant*innen angewendet werden.

Weitere Fragen?

Für weitere Informationen zu dem Projekt können Sie uns per E-Mail kontaktieren: info(at)rassismusmonitor.de